Vom Deep Dive zur Welle: Social Design, das Meer bewegt

Abschlusspräsentation eines Kooperationsprojekts mit dem SALZWASSER VEREIN

Thema:
Meeresschutz und Umweltbildung

Studiengang:
Studienbereich Design und Medien

Dozent:innen:
Laura Burchert, Daniel Meier, Prof. Dr. Andreas Lanig

Vom digitalen Kick-off im April 2026 über den Schulterblick bis zur Abschlusspräsentation im August 2026 arbeiteten Studierende des Studienbereichs Design und Medien gemeinsam mit dem gemeinnützigen SALZWASSER VEREIN. Der Verein verbindet Meeresschutz mit Umweltbildung. Die reale Aufgabe lautete: Wie lassen sich Menschen und Unternehmen für den Schutz mariner Ökosysteme, für Spenden und für eine langfristige Fördermitgliedschaft gewinnen?

Wir werden da sehr, sehr viel von mitnehmen können. 

Ann-Kathrin, SALZWASSER VEREIN


Meeresschutz sichtbar und erlebbar machen

Beim Kick-off nahm Ann-Kathrin die Studierenden mit zu Seegraswiesen, Mangroven, Salzwiesen und Kelpwäldern – Lebensräume, die große Mengen Kohlenstoff speichern und dennoch vielen Menschen kaum bekannt sind. Ihre Begeisterung war unmittelbar spürbar: „Unsere Natur ist der Oberhammer. Diese Vielfalt müssten wir eigentlich nur schützen.“ Besonders greifbar werde Meeresschutz in den Ozean-Erlebnis-Camps: Kinder und Jugendliche schnorcheln, keschern im Seegras, fotografieren unter Wasser und kehren anschließend als Multiplikator:innen nach Hause zurück.

Das Briefing öffnete zwei Richtungen: eine Kampagne für Unternehmen sowie eine zweite für Menschen, die den Verein als Fördermitglieder unterstützen können. Gedacht werden durften Instagram, LinkedIn, Website und weitere digitale Formate. Entscheidend war weniger ein enges Medienraster als die Haltung des Vereins: nahbar, laut und kreativ. Ann-Kathrin formulierte den Anspruch so: „Wir wollen mit Leuten auf Augenhöhe sprechen. Wir möchten nicht nur erzählen, wie genial das Meer ist, sondern es zeigen.“
 

Gemeinsam gestalten statt gegeneinander pitchen

Den kollaborativen Rahmen setzten die Projektinitiator:innen Daniel und Laura. Der Arbeitsmodus war bewusst anders als ein klassischer Konkurrenz-Pitch. Daniel warb beim Auftakt dafür, das Ego beiseitezuschieben und den Purpose in den Vordergrund zu stellen: „Wir verstehen uns hier als Gemeinschaft und unterstützen den Verein mit unseren Ideen.“ Ideen sollten geteilt, weitergedacht und über Studiengänge und Semester hinweg miteinander verbunden werden. Laura brachte das Ziel des Reallabors auf eine einfache Frage: „Was können wir mit den Fähigkeiten, die wir im Studium entwickelt haben, für etwas Gutes einsetzen?“

Collage mit Merchandise-Entwürfen für den SALZWASSER VEREIN: Puzzle, Fischerhut, Tasse, Stoffbeutel, hellblaues T-Shirt und Schlüsselanhänger mit farbigen Meeresmotiven.
Mona-Maria, Celina und Ines verbanden ihren visuellen Entwurf mit einem Charity-Event und konkreten Spendenanlässen. Auf dem Weihnachtsmarkt solle es möglich sein, „Merchandise zu erwerben oder eben eine Spende zu schenken“.

Website neu denken: Struktur, Wirkung und Sprache

Kinga und Alex betrachteten die Website des SALZWASSER VEREIN wie ein Gebäude, das für Unternehmenspartner tragfähig werden muss. Ihre drei Säulen waren Struktur, Usability sowie Content und Emotionalisierung. „Selbst die überzeugendste Botschaft geht verloren, wenn sich niemand zurechtfindet“, erklärte Kinga. Das Team ordnete die Navigation neu, rückte Menschen und Wirkungszahlen ins Zentrum und entwickelte einen transparenten Spendenweg, der Beträge mit konkreten Wirkungsbeispielen verbindet. Ergänzend entstand mit Carl ein KI-gestützter Brand Voice Guardian, der die Sprache des Vereins konsistent halten soll.


Mit LinkedIn Vertrauen bei Unternehmen aufbauen

Lorena, Vanessa und Isabelle entwickelten eine neunmonatige LinkedIn-Strategie zur Gewinnung von Unternehmensspenden. Statt sofort nach Geld zu fragen, führt ihr Konzept in sechs Phasen von Aufmerksamkeit und Interesse über Social Proof und Testimonials bis zum Spendenaufruf und zur langfristigen Bindung. Vanessa verdichtete die Ausgangslage in einem Satz: „Unternehmen spenden nicht spontan. Sie brauchen Vertrauen.“ Genau dieses Vertrauen soll durch Fakten, Gesichter, authentische Einblicke und nachvollziehbare Wirkung Schritt für Schritt wachsen.


Echo: vom Gefühl ins Handeln

Gina und Letizia führten mit dem Küstenwesen Echo von der Emotion ins Handeln. Die Figur verbindet Eigenschaften verschiedener Küstenlebensräume und gibt ihnen ein wiedererkennbares Gesicht. Ein animiertes Reel weckt Neugier, ein Slide-Post vermittelt Wissen, ein Spendenimpuls aktiviert – und ein digitales Echo-Abzeichen macht die eigene Unterstützung in sozialen Medien sichtbar. Letizia beschrieb diese kreisförmige Kampagnenlogik als „wachsendes Ökosystem“, in dem Menschen ihre Haltung zeigen und Teil einer gemeinsamen Bewegung werden können.


EDCEMBER macht Blue Carbon verständlich

Rike und Airida machten Blue Carbon mit EDCEMBER, dem Educational December, verständlich und zugänglich. Ihr Trailer beginnt mit einem starken Gegensatz: „Das Meer bedeckt über 70 Prozent unseres Planeten. Doch seine wichtigste Superkraft bleibt oft unsichtbar.“ Ein illustriertes Maskottchen führt durch eine Dezember-Serie zu Seegras, Mangroven und Salzwiesen; reale Bilder und verständliche Informationen ergänzen die emotionale Ansprache. Rike betonte, es gehe darum, „nicht nur um Geld zu bitten, sondern spielerisch Wissen zu vermitteln und Menschen für den Küstenschutz zu begeistern“.


Meeresschutz zum Mitnehmen

Mona-Maria, Celina und Ines verknüpften Social Media, Umweltbildung, Charity-Event und Merchandise. Drei Maskottchen machen die geschützten Ökosysteme wiedererkennbar; Informationsposts, Flyer und eine Charity-Punschhütte führen die Kampagne in den öffentlichen Raum. Puzzle, Tasche, T-Shirt, Tasse, Hut und Schlüsselanhänger übersetzen die Vereinswelt in Gegenstände, die sich nutzen und verschenken lassen. Ines brachte die Aktivierung auf die Formel, vor Ort könne man „Merchandise erwerben oder eben eine Spende schenken“. Sogar eine Hamburger Keramikkünstlerin wurde als mögliche Kooperationspartnerin angesprochen.


„Mach Welle“: Menschen sprechen Menschen an

Julian und Lena richteten ihre Kampagne „Mach Welle“ nicht abstrakt an Institutionen, sondern an die Menschen, die dort über Spenden entscheiden. Eine Porträtserie zeigt reale Engagierte des Vereins mit direktem Blick in die Kamera, persönlichem Statement, QR-Code und der Frage: Und du? „Wir wollen Nähe schaffen und eine Beziehungsebene aufbauen“, erklärte Julian. Der personalisierte Satz – etwa Tom macht Welle – verbindet individuelle Motivation mit einer klaren Einladung zum Mitmachen und lässt sich von Plakaten auf Social Media übertragen.


„Klasse fürs Meer“ beginnt bei Grundschulkindern

Valentina und Anika setzten mit Klasse fürs Meer bei Grundschulkindern an. Ihr Konzept erweitert vorhandene Bildungsangebote um dreiteilige Workshops, in denen Lehrkräfte oder Mitarbeitende zu internen Multiplikator:innen werden. Urkunden, ein Siegel für Schulen und Unternehmen, Social-Media-Templates und T-Shirts schaffen sichtbare Zugehörigkeit. Für Valentina ist ein solches Shirt „mehr als nur ein Stück Stoff, sondern ein sichtbares Zeichen dafür, dass man Teil von etwas Größerem ist“. Anika fasste den Gedanken dahinter knapp zusammen: „Sichtbarkeit schafft Bewusstsein.“

Screenshot der digitalen Abschlusspräsentation: Links ist ein Karussell-Post über die Vereinsarbeit des SALZWASSER VEREIN zu sehen, rechts erscheinen die Teilnehmenden in mehreren Videokacheln.
Während der digitalen Abschlusspräsentation erläuterten Lorena, Vanessa und Isabelle ihren langfristig angelegten LinkedIn-Aufbau für Unternehmensspenden. Vanessa fasste die Leitidee zusammen: „Unternehmen spenden halt nicht spontan. Sie brauchen Vertrauen.“

Viele Ideen, ein gemeinsamer Designprozess
 

So verschieden die Entwürfe waren, lag ihnen ein gemeinsamer Designprozess zugrunde: recherchieren, Zielgruppen verstehen, Wirkung modellieren, Ideen entwickeln, gestalten, präsentieren und auf reales Feedback reagieren. Die Ergebnisse reichen von UX- und Informationsarchitektur über Kampagnen-, Bewegtbild- und Illustrationskonzepte bis zu Produktideen und Bildungsformaten. Celina beschrieb die semesterübergreifende Zusammenarbeit rückblickend als „Riesenprojekt mit vielen Miniprojekten“. Besonders wertvoll sei es gewesen, sich über das Semester immer wieder mit den Studienkolleginnen zu treffen, gemeinsam zu brainstormen und am Ende das Ganze zu sehen.

Die Abschlusspräsentation machte zugleich die realen Studienbedingungen sichtbar. Laura würdigte, dass die Arbeiten „neben dem ganzen anderen Semesterstress“ entstanden waren. Daniel hob neben der gestalterischen Vielfalt besonders die inhaltliche Tiefe und die Verantwortung des Designs hervor: „Ihr könnt stolz auf euch sein. Das zeigt, wie wichtig Design ist und welche Verantwortung wir mit dem haben, was wir gestalten und tun.“ Sein Resümee zu der zusätzlichen Arbeit war unmissverständlich: „Das ist keine Selbstverständlichkeit. Alles on top.“
 

„Wow. Mir fehlen noch ein bisschen die Worte.“

Ann-Kathrin reagierte stellvertretend für den SALZWASSER VEREIN sichtbar bewegt: „Wow. Mir fehlen noch ein bisschen die Worte.“ Sie lobte den „richtigen Deep Dive“, das strategische Vorgehen und die große Vielfalt der Ergebnisse – von Key Visuals und Fotografie bis zu Illustration, Motion Design und Screendesign. „Ich glaube, wir werden da sehr, sehr viel von mitnehmen können“, sagte sie.

Schon beim Kick-off hatte Ann-Kathrin es als ihr „Herzensthema“ bezeichnet, dass die Studierenden erfahren, wie ihre Ergebnisse später verwendet werden. Umso ehrlicher war ihre Anmerkung am Ende, es sei „schade, dass wir gar nicht so in den Austausch gehen konnten“. Der enge Zeitplan ermöglichte zwar die Präsentation vieler Lösungen, ließ aber wenig Raum für Diskussion. Gerade darin zeigt sich eine Grenze realer, umfangreicher Projektarbeit: Gute Ideen brauchen nicht nur Gestaltung, sondern auch Zeit für Rückfragen, Auswahl, Erprobung und gemeinsame Weiterentwicklung. Ihre Einladung, mit dem Verein im Gespräch zu bleiben, öffnete dafür den nächsten Schritt.
 

Keine formale Übung

Dekan Prof. Dr. Andreas Lanig ordnete die Arbeiten als Interventionen in gesellschaftliche Systeme ein: Die Studierenden wollten Menschen bewegen und mit den Werkzeugen des Designs politische, wirtschaftliche und soziale Wirkung entfalten. „Es ist keine formale Übung“, betonte er. Gerade weil viele Beteiligte aus den ersten Semestern kamen und die Arbeit zusätzlich zu Studium, Beruf und privaten Verpflichtungen leisteten, sei die Sorgfalt der Ergebnisse besonders bemerkenswert. Sein Fazit: „Etwas zu machen, was einem nicht egal ist und alles andere als lieblos ist – das ist das Erfüllendste, was Design leisten kann.“


Anwendungsorientiertes Studium mit realer Wirkung

Das Projekt zeigt damit, wie anwendungsorientiertes Studium im Studienbereich Design und Medien funktionieren kann: Studierende unterschiedlicher Semester und Studiengänge arbeiten online und kollaborativ mit einer realen Partnerorganisation, übernehmen Verantwortung und bringen ihre jeweiligen Perspektiven ein. Die Flexibilität dieses Reallabors eröffnet ungewöhnliche Lern- und Gestaltungsräume; zugleich verlangt sie Selbstorganisation, Verbindlichkeit und die Bereitschaft, zusätzliche Arbeit zu investieren. So entstehen Lösungen, die nicht mit der Präsentation enden müssen, sondern über eine Lehrveranstaltung hinaus weitergedacht und wirksam werden können.

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