Otl Aicher neu gedacht: Kommunikationsdesign-Studierende entwickeln Ausstellungsideen
Ulm, 25. April 2026
Wie lässt sich das Werk von Design-Legende Otl Aicher (1922–1991) heute vermitteln – für Fachpublikum, Schulklassen, Familien und eine breite Öffentlichkeit? Mit dieser Frage starteten Studierende des Bachelorstudiengangs Kommunikationsdesign der DIPLOMA Hochschule im HfG-Archiv/Museum Ulm in ein interdisziplinäres Realprojekt.
Interessant ist, was jetzt Ihre Generation daraus macht.
Dr. Martin Mäntele, Leiter des HfG-Archivs
Otl Aicher als Ausgangspunkt
Dr. Martin Mäntele führte die Studierenden in Leben und Werk Otl Aichers ein: von der Ulmer Volkshochschule und der Hochschule für Gestaltung Ulm über Lufthansa, Olympia 1972 und die berühmten Piktogramme bis hin zu politischen Plakaten, Büchern, Selbstporträts und dem Nachlass.
Dabei wurde deutlich: Aicher ist nicht nur eine zentrale Figur der Geschichte des Grafikdesigns. Er ist auch ein Gestalter, dessen Denken bis heute Fragen nach Öffentlichkeit, Demokratie, Orientierung und Kommunikation berührt.
Ein Realprojekt mit offenem Ergebnis
Die Studierenden entwickeln in den Schwerpunkten Branding, Interaction und Editorial sowie im Bereich Produkt- und Prozessdesign modulare Beiträge für eine mögliche Otl-Aicher-Schau.
Es geht nicht um eine fertige Museumsausstellung „auf Bestellung“, sondern um einen Ideenpool: Ausstellungsidentitäten, digitale Vermittlungsformate, Editorial-Konzepte, Touchpoints, Ausstellungssysteme und Prototypen, die dem HfG-Archiv unterschiedliche Perspektiven auf Aichers Leben und Werk eröffnen.
Designprozesse sind ja immer am Anfang unscharf.
Prof. Tilo Staudenrausch
Berufsbefähigung unter realen Bedingungen
Gerade diese Offenheit macht das Projekt berufspraktisch relevant. Die Teams arbeiten mit Archivmaterial, recherchieren remote und vor Ort, entwickeln Zielgruppenprofile und berücksichtigen reale Rahmenbedingungen.
Dazu gehören Rechtefragen, konservatorische Vorgaben, begrenzte Budgets, Barrierefreiheit, technische Wartbarkeit und die Frage, wie komplexe Inhalte verständlich werden. So wird aus einem Semesterprojekt ein Lernraum, in dem konzeptionelles Denken, Gestaltung, Recherche und Teamarbeit zusammenkommen.
Fernstudium mit Präsenzmoment
Der Kick-off zeigte, wie wertvoll der konkrete Ort für ein Fernstudium sein kann. Das HfG-Gebäude, die Dauerausstellung, die Exponate und der Blick in Archivmaterial machten Geschichte unmittelbar erfahrbar. Andrea brachte diesen Eindruck in der Abschlussrunde auf den Punkt:
Das Gebäude allein ist schon total faszinierend.
Andrea, Studentin
Auch die hybrid zugeschalteten Studierenden wurden in den Rundgang eingebunden. Holger beschrieb den Eindruck als „schon irgendwie VIP-Einblick“.
Geschichte für die Gegenwart gestalten
Bis zur Abschlusspräsentation im Oktober entwickeln die Teams eigenständige, aber kombinierbare Beiträge. Sie sollen Otl Aicher nicht nachahmen, sondern seine Denkweisen, Systeme und Widersprüche in die Gegenwart übersetzen.
So wird Designgeschichte nicht nur betrachtet, sondern praktisch angewendet – als Recherche, Haltung, Strategie und Gestaltung.
Kommunikationsdesign an der DIPLOMA Hochschule
Das Projekt zeigt exemplarisch, wofür Kommunikationsdesign an der DIPLOMA Hochschule steht: visuelle Gestaltung, strategische Konzeption, digitale Technologien und interdisziplinäre Zusammenarbeit in einem realen kulturellen Kontext. Branding fragt nach Identität und Sichtbarkeit, Interaction nach digitalen Zugängen und Mensch-Maschine-Kommunikation, Editorial nach Erzählung, Quellenarbeit und Vermittlung. Produkt- und Prozessdesign ergänzt den Blick auf Raum, Ausstellungsmöbel und Nutzung.
Das Fernstudium Kommunikationsdesign bietet 100 Prozent Online-Studium und eine flexible Gestaltung. Es umfasst 180 ECTS-Punkte in sieben Semestern und richtet sich daher an Design-Interessierte, die sich weiterqualifizieren möchten, ohne ihren Lebensmittelpunkt zu wechseln. Studentin Monja betont diesen Vorteil besonders: Sie wollte sich weiterentwickeln, „ohne dabei meine Heimat verlassen zu müssen“.
Gemeinsamer Auftakt im historischen Gebäude: Studierende und Lehrende starteten vor Ort in das interdisziplinäre Schwerpunktprojekt zu Otl Aicher, HfG Ulm und zeitgemäßer Designvermittlung.
Raum als Teil des Projekts: Beim Rundgang durch die ehemalige HfG Ulm wurde deutlich, dass Ausstellung, Architektur und Gestaltungssysteme im Projekt zusammengedacht werden müssen.
Ausstellungsbegehung im HfG-Archiv: Beim Kick-off zur Otl-Aicher-Schau erhielten die Studierenden Einblicke in die bestehende Dauerausstellung, Archivmaterialien und kuratorische Fragestellungen.
Vorlesung am historischen Ort: Für Studierende im Fernstudium ist es ein besonderes Erlebnis, einmal in einem klassischen Vorlesungsaal zu sitzen.
Olympia 1972 als Schlüsselthema: Archivmaterialien zum Erscheinungsbild der Münchner Spiele zeigen Aichers Systemdenken in Farbe, Schrift, Piktogramm und internationaler Orientierung.