LOVE IT – CHANGE IT – OR LEAVE IT
Text: Dr. med. Dietrich Sternberg
Wie Biografie Bildungswege prägt – und warum Nullpunkte Chancen sind.
Wo geht meine Reise hin?
Was mag ich?
Was kann ich?
Was will ich lernen?
Diese Fragen begleiten viele Studierende – oft leise, manchmal drängend. Dr. med. Dietrich Sternberg, Psychologe und Dozent an der Osteopathie Schule Deutschland (OSD) in Berlin, macht deutlich: Bildung ist immer biografisch. Sie wächst aus Erfahrungen, Brüchen und Entscheidungen.
Sternbergs eigener Weg beginnt früh zwischen Körper und Seele. Eine Mutter, Ärztin und Holocaust-Überlebende, ein Vater, Pfarrer – dazu Krankheitserlebnisse und Gefühle von Alleinsein. Diese Mischung wurde kein Hindernis, sondern ein innerer Antrieb: die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Bildung als Selbstermächtigung.
Besonders prägend sind sogenannte biografische Nullpunkterfahrungen – Momente, in denen nichts mehr trägt. Sätze wie „Das schaffst du nie“ markieren solche Punkte. Sternberg reagiert nicht mit Rückzug, sondern mit Bewegung: Umwege, Auslandseinsätze, das bewusste Eintreten in extreme Situationen – und das Wiederaufstehen nach dem Scheitern. Lernen wird hier existenziell, nicht strategisch.
Als Hausarzt und Suchtmediziner in Berlin-Neukölln stößt er an die Grenzen klassischer Medizin. Die Antwort ist Weiterbildung: Osteopathie, Traumatherapie, Lehre in Krisen- und Kriegsgebieten. Bildung folgt der Biografie – nicht umgekehrt.
Das Meer dient ihm als Metapher: Mal toben die Wellen, mal tragen sie ruhig. Studieren heißt, auf diesen Wellen reiten zu lernen. Freundschaften und Verbundenheit werden zu Ankern.
LOVE IT – CHANGE IT – OR LEAVE IT
Das ist dabei mehr als ein Motto. Es ist eine Einladung an Studierende: Nehmt eure Geschichte ernst. Nutzt Brüche als Ressource. Bildung kann ein Weg sein, sich aus der Vergangenheit zu befreien – und Zukunft bewusst zu gestalten.
Ahoi.