Was würde passieren, wenn wir in Deutschland tatsächlich 100 Mio. Bäume und 100.000 km Hecken neu pflanzen würden?

Text: Arne Matthias Krüger

Was würde passieren, wenn wir in Deutschland tatsächlich 100 Mio. Bäume und 100.000 km Hecken neu pflanzen würden? Das habe ich eben mal in eine AI eingegeben.

Das Ergebnis: (Wenn man es richtig angeht) Es hätte eigentlich ausschließlich positive Folgen – außer, dass die Landwirte wegen der zu erwartenden Ernteverringerung mehr Geld für die wertvollen Erzeugnisse bekommen, die sie produzieren. Mehr Wasser, mehr Biodiversität, mehr „grüne" Jobs, weniger Erosion, mehr Nährstoffe bleiben im Boden, weniger Hitze, mehr Unwetter- und Extremwetterresilienz und vieles, vieles Gute für unsere Lebensqualität mehr. Außerdem würden wir circa 40 Mio. Tonnen CO₂ aus der Atmosphäre binden. 

Kostenpunkt: 2,5 bis 8 Milliarden Euro für die ersten 10 Jahre (Pflanzung + Pflege). Das hört sich erstmal sehr viel an. Aber, so denke ich, wenn wir jetzt 100 Mrd. € klimagezielt „verbraten" müssen, ist so ein Teilbetrag doch sehr realistisch. Also, warum eigentlich nicht? Und dann habe ich noch eine CO₂-Zertifizierung mit den zu erwartenden Preisen dagegen gerechnet. Bei deutlich mehr als 70 € pro Tonne CO₂ fangen die Pflegekosten bereits im 4. Jahr an sich ökonomisch zu lohnen, also mit Zertifikaten gegengerechnet negativ zu sein.

Dann habe ich ein bisschen nachgedacht wie man das alles richtig einordnen kann. Wie viel CO₂ stoßen wir denn eigentlich aus? Die Ai geht von ungefähr 650 Mio Tonnen jährlich in Deutschland aus. Also kämen wir da nur so 0,6 % vom jährlichen Ausstoß runter, wenn wir bedenken, dass es Jahrzehnte braucht, bis die Pflanzen den gesamten CO2-Bindegehalt leisten, werden aber wesentlich widerstandsfähiger.

Noch weiter nachgedacht wäre natürlich der allererste Schritt, dass man nicht noch mehr wertvolles Grün vernichtet, also den Flächenfraß in seinem aktuellen Ausmaß stoppen. Das hat der Landesnaturschutzverband (LNV) am 1. März 2024 in seiner Initiative Ländle Leben Lassen (https://www.laendle-leben-lassen.de) eindrucksvoll thematisiert und selbst gegen die Windkraftbefürworter hartnäckig vertreten.

Also, Ärmel hochgekrempelt!

Fangen wir, wenn wir sowieso mal wieder unser Haus sanieren doch einfach bei uns selbst an – und wenn es nur gegen die Sommerhitze für ein bisschen Schatten ist.

Wie funktioniert das? Ganz einfach: Man sagt den Unternehmen, dass sie alle Bäume im Garten zu erhalten haben, kein Plastik in größeren Mengen verstreuen dürfen (wenn sie es denn tun) und verzichtet darauf, seine Behausung auf Kosten von Natur- und Artenraum zu vergrößern.

Bei uns im Unteren Schützenrain in Leonberg kann man eindrucksvoll den Trend zum Flächenfraß erkennen. Und man erkennt auch, dass mit unserer Sanierung ein Wendepunkt erreicht wurde.
Ich will niemanden bevormunden oder euch sagen, was gut ist und was schlecht oder wie ihr bauen und sanieren müsst.

Ich will euch ermuntern – wenn ihr ökologisch saniert – LASST DER NATUR IHREN RAUM! Es lohnt sich für alle; heute, morgen und in Zukunft.

In der Zwischenzeit träume ich davon, wie es wohl wäre, wenn wir 200 Mio. Bäume in Deutschland und 300 km Hecken anpflanzen würden. So wie der buddhistische Mönch in Hannover, der ab den 1970ern 20 Jahre lang in Hannover darüber meditierte wie schön es wohl wäre, wenn dort ein Tempel entstehen würde. Heute haben wir in Hannover zwei buddhistischen Tempel – einen vietnamesischen von Ende der 1980er und einen thailändischen von 2007. 
 

Zurück zur Übersicht

Illustration: Menili Litzel & Katrin Leckebusch

Illustration: Menili Litzel & Katrin Leckebusch

Titelthemen