UNIversal gescheitert?!
Text: Prof. Dr. Kathrin Rothenberg-Elder
Das gerade erschienene Buch von Niendorf – sie ist eine der erfolgreichsten Wissenschaftsinfluencer:innen in Deutschland und dazu Dozierende an der Humboldt-Universität in Berlin – ist eine gut zu lesende Abrechnung mit dem Wissenschaftsbetrieb, geht aber deutlich darüber hinaus. Ist das für uns als private Hochschule, familiengeführt, überhaupt relevant? Ja, weil wir teilweise in diesem Wissenschaftsbetrieb sozialisiert wurden, und: Weil einige unserer Studierende auch dorthin streben. Es ist mindestens ein benachbarter Lebensraum.
Niendorf zeigt, wie Wissenschaft von uns allen, die wir darin arbeiten und leben, neu gedacht werden kann und sollte. Dazu ist es in unglaublich angenehmer, leichter Sprache geschrieben, dabei wissenschaftlich, mit aktuellen seriösen Quellen. Wir, die wir hier sind, lieben Wissenschaft und lieben unseren Beruf, aber viele von uns haben einen erheblichen Preis dafür gezahlt, dort zu sein, wo wir heute sind oder zahlen ihn immer noch. In einem System, in dem „[...] gelernt, gelehrt, geforscht, diskriminiert und Macht missbraucht wird.” (Niendorf, 2025, p. 9). Sie beschreibt entlang aktueller Daten und einer großen Feldkenntnis den Alltag vieler Wissenschaftler:innen: „Prekär beschäftigte Wissenschaftler:innen jonglieren zwischen befristeten Verträgen und unbezahlten Überstunden, während ihre Publikationsliste schneller wachsen muss als ihr Bankkonto. Akademisches Dschungelcamp oder so.“ (Niendorf, 2025, p. 33) Es entstehen Abhängigkeiten und immer mehr strukturelle Ausbeutung – Selbstfürsorge in einem neoliberalen Wettbewerb fällt schwer. Das betrifft teilweise auch unsere freien Lehrbeauftragten.
Wir sind Teil des Systems, wir müssen Teil der Lösung sein - Niendorf gibt dazu gute Anregungen.
Niendorf, L. (2025). UNIversal gescheitert? Wissenschaft und Hochschule zwischen Machtmissbrauch, Leistungsdruck und Ausbeutung: Was wir dagegen tun können (Originalausgabe). Droemer, 20 €
Droemer: Niendorf, 2025, UNIversal gescheitert?