Reisen - über die verschiedenen Arten, unterwegs zu sein: Ein Dialog zwischen Studi und Prof

Text: Prof. Dr. Rothenberg-Elder

Nachdem für die verantwortungsvollen Reisenden die Welt zwei Jahre weitgehend verschlossen war, freuen sich viele von uns auf – natürlich nachhaltig organisierte – Reisen. Aber das haben wir in den zwei Jahren auch gelernt: Die Reisen im Kopf zu schätzen, uns mithilfe von Bildern im Kopf oder dem Bildschirm oder dem Papier an fremde Orte zu träumen…

Der Kiosk

Dieses Reisebild spricht mich besonders an, weil die Schriftzeichen, die wir am Kiosk sehen, mir nicht vertraut sind. Das ist für mich Reisen, in die komplette auch sprachliche Fremde zu reisen, ins Unbekannte, in dem man nichts weiß, das Bestellte wirklich irgendwie etwas ist, was man mag oder nicht. Ich erinnere mich an die Wohltat einer Reise nach Ungarn, in der alle geschriebene wie gesprochene Sprache für mich angenehm ausblendbar blieb. Diese Reisen heben sich hervor, weil man sich hier mit Händen und Füßen verständigen muss. In der das Abenteuer durch den Magen geht.

Seefahrerstadt

Diesen Ort erkenne ich, es handelt sich um Jaffa, die alte israelische Seefahrerstadt, heute ein Ortsteil von Tel Aviv. Es ist nur ein langer Spaziergang zu den verrückten lauten Stränden des modernen Tel Aviv, die man im Hintergrund sieht. Beides sind Formen der Erneuerung: in den dicken Mauern der alten Seefahrerstadt und in dem wunderbar lebendigen, verrückten, nie schlafenden Tel Aviv. Jaffa dagegen habe ich ja fast immer nur still erlebt, irgendwo in diesen dicken Mauern findet man immer ein ruhiges Plätzchen. Es ist wie eine Zeitreise, da auf den Stufen zu sitzen und zu den Hochhäusern auf der anderen Seite der Bucht zu schauen. Es ist ein Ort, zu dem ich immer wieder zurückkommen werde, da ich Familie in Tel Aviv habe, und auch das ist für mich Teil der Erneuerung, die Begegnung mit den alten Variationen meiner selbst, die ich auf den Treppen wieder treffe.

Irgendwo

Wenn ich reise, bin ich dann wirklich an diesem Ort? Kennen Sie diese Weltkarten, bei denen man abkratzen kann, wo man schon war? Ich finde sie äußerst dubios. Dieses Bild habe ich gewählt, weil ich auch einen Ort zeigen wollte, von dem ich glaube, dass ich dort nie hinreisen werde. Denn auch das ist Erneuerung: Nicht ständig aus irgendeinem merkwürdigen Grund zu behaupten, noch weiter wegfahren zu müssen. Nicht überall hinreisen zu müssen, satt zu sein.
 

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Kiosk | Fotos: Josefine Schindowski

Kiosk | Fotos: Josefine Schindowski

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