Printproduktion im Designstudium: Andreas Maxbauer zeigt, wie aus Entwürfen überzeugende Drucksachen werden
Online, 26.03.2026
Sprühkleber, Cutter, Falzbein, Geodreieck – der Abend begann nicht mit Theorie, sondern mit einer kleinen Szene aus der Designpraxis. Ausgehend von genau solchen Werkzeugen wurde in der Reihe „Gute Arbeit!“ schnell deutlich, worum es an diesem Abend wirklich ging: um den Moment, in dem Gestaltung den Bildschirm verlässt und als Dummy, Prototyp oder fertige Drucksache greifbar wird. Schon damit war die Richtung gesetzt – fachlich dicht, aber nie trocken.
Passend dazu formulierte Andreas Maxbauer gleich zu Beginn einen Satz, der hängen blieb: „Wenn man Dinge mit einem Dummy präsentiert … hat man eigentlich schon gewonnen.“ Treffender lässt sich die Relevanz von Print-Prototypen im Kommunikationsdesign kaum auf den Punkt bringen.
Vier Jahrzehnte Praxis – ohne Distanz
Andreas Maxbauer sprach an diesem Abend nicht aus der Theorie, sondern aus einem Berufsleben im Druck- und Gestaltungsumfeld. Er verwies selbst auf seine 40 Jahre als Grafikdesigner; im zweiten Teil nannte er zudem seine langjährige Tätigkeit für die Handwerkskammer Hannover. Diese Erfahrung war im Vortrag ständig spürbar – nicht als Pose, sondern als ruhige Souveränität, als Urteilskraft und als Fähigkeit, komplizierte Produktionsfragen anschaulich und humorvoll zu erklären.
Andreas kündigte den Stoff selbstironisch als „mehr oder weniger eine Hochdruckbetankung“ an – und gerade das beschreibt die Qualität des Abends erstaunlich gut: viel Inhalt, aber sauber sortiert, mit klaren Beispielen, ausführlichen Handouts und einem offenen Blick für die Fragen der Studierenden.
Copyshop, Digitaldruck, Offsetdruck – und warum Buchbinder mehr sind als Dienstleister
Inhaltlich spannte der Vortrag einen Bogen vom lokalen Copyshop, Digitaldruckerei, Offsetdruckerei und Online-Druckerei über Farbproof, Formproof und Veredelung bis zur handwerklichen Buchbinderei. Deutlich wurde dabei immer wieder: Die passende Produktionsart entscheidet sich nicht abstrakt, sondern im Zusammenspiel von Qualität, Zeit, Kosten, Auflage, Individualisierung und Standort. Genau diese Matrix war ein Kern des Abends – und zugleich ein sehr praxisnahes Werkzeug für studentische Projekte.
Besonders stark wurde der Vortrag dort, wo Maxbauer die handwerkliche Buchbinderei nicht als nostalgischen Sonderfall, sondern als echten Gestaltungspartner beschrieb. Sein Satz „Buchbinder sind auch Gestalter“ verdichtete das perfekt. Wer besondere Objekte, Dummys, Kleinauflagen oder hochwertige Präsentationsexemplare entwickelt, gewinnt dort nicht nur handwerkliche Umsetzung, sondern oft auch Materialwissen, Veredelungskompetenz und neue Ideen für das Endprodukt.
Dass das keine bloße Behauptung war, zeigte Maxbauer mit erzählerischen Episoden aus der Praxis: vom Geschäftsbericht, der für eine Präsentation als fertiges Objekt auf dem Tisch liegen sollte, über individuell gebundene Notizblöcke aus aussortierten Korrekturabzügen bis hin zu aufwendig gestalteten Einzelstücken. Dazu kam seine überraschend pragmatische Erfahrung mit den Kosten: „Ich bin eigentlich immer wieder überrascht, wie preiswert handwerkliche Produkte sind.“ Gerade solche Sätze machten den Abend lebendig – und nahmen dem Thema die Schwelle.
Papier, Haptik, Veredelung: Gestaltung endet nicht am Layout
Papier ist nie neutral: Oberflächen, Grammatur, Volumen, Weißgrad und Haptik verändern Wirkung, Lesbarkeit und Wertigkeit einer Drucksache. Gestrichene Papiere wirken kühler und präziser, Naturpapiere wärmer und freundlicher; Veredelungen wie Prägung, Folierung, Stanzung oder Lackierung steigern die optische und haptische Präsenz zusätzlich.
Gerade darin lag die fachdidaktische Stärke des Abends: Printproduktion erschien nicht als technischer Nachtrag, sondern als integraler Teil von Editorial Design, Kommunikationsdesign und professioneller Druckvorstufe.
Wenn aus Rückfragen Designlernen wird
Wie gut der Abend die Studierenden erreichte, zeigte sich besonders im zweiten Teil. Kaum ging es um das Anlegen von Druckdaten, CMYK statt RGB, TIFF statt JPEG/PNG, Anschnitt, Auflösung, Preflight und PDF/X-3, wurde aus dem Vortrag ein hochkonzentrierter Praxisdialog. Eine Studentin fragte direkt: „Was kann denn im Worst Case passieren?“ – bezogen auf PNG- und JPEG-Dateien im Druck. Ein anderer Student wollte wissen, wie man Kundinnen und Kunden in ein bis zwei Sätzen erklärt, „warum denn jetzt kein PNG?“. Wieder andere fragten nach JPEG-Bilddaten von Kundenseite, nach Prototypenkosten, nach Papierstärken für Sketchbooks oder nach geeigneten Fotos für Großflächenplakate.
Genau hier wurde sichtbar, warum das Format so gut funktionierte: Die Fragen waren nicht theoretisch, sondern kamen erkennbar aus echten Entwurfs- und Produktionssituationen. Andreas antwortete entsprechend konkret – mit klaren Handlungsanweisungen, Beispielen aus dem Berufsalltag und der gelassenen Haltung eines erfahrenen Gestalters, der lieber erklärt als imponiert. Fachlich ging es um CMYK, HKS, Pantone, Farbproof, TIFF, EPS, Verknüpfungspalette, 300 dpi, Anschnitt, Übersatz, Preflight und Formproof; didaktisch blieb das Ganze trotzdem zugänglich.
Ein Abend, der über das Studium hinausreicht
Zum Schluss wurde auch in der Runde selbst benannt, warum diese Veranstaltung mehr war als ein Zusatztermin zur Druckvorstufe. Im Feedback hieß es, vieles davon sei eben nicht nur für Dokumentationen im Studium wichtig, sondern reiche deutlich darüber hinaus in die berufliche Praxis. Prof. Dr. Andreas Lanig dankte Maxbauer ausdrücklich für die „vielen Episoden und Geschichten“ und für die „Sorgfalt eines Gestalterlebens“. Treffender lässt sich die Qualität dieses Abends kaum beschreiben.
Für alle, die Printproduktion, Druckvorbereitung, Buchbinderei, Papierwahl, Veredelung und professionelle Druckdaten nicht nur irgendwie bewältigen, sondern gestalterisch verstehen wollen, war dieser Abend ein sehr konzentriertes Update – fachlich präzise, online gut vermittelbar und zugleich voller Anschlüsse an die reale Praxis im Designberuf.
Der Abend zeigt damit exemplarisch, wie ein zeitgemäßes Designstudium im Fachbereich Gestaltung und Medien funktioniert: praxisnah, reflektiert und konsequent auf reale Anforderungen ausgerichtet.
Beurteilung von Druckergebnissen in der Praxis: Farbwirkung, Material und Verarbeitung direkt am Druck prüfen.
Zu den Sonderfarben zählen häufig Neonfarben oder Deckweiß auf farbigem Karton.
Mit Lacken lassen sich verschiedene Effekte erzielen, besonders, wenn sie partiell, also nicht vollflächig, gedruckt werden.
Beim Cellophanieren wird eine hochglänzende oder matte Folie aufgebracht.
Beim Prägen werden Motive in ein hochwertiges Material gedrückt, sodass sie erhaben oder vertieft sind.
Lasern funktioniert auch bei stärkeren und ungewöhnlichen Materialien.