Zwischen Algorithmen und Aromen: Studierende entwickeln Branding-Ideen für das KI-Startup Vinolin
Online, 16. April 2026
Wie kommuniziert man ein KI-Produkt in einer Branche, die von Tradition, Geschmack und Vertrauen lebt? Im Wahlpflichtmodul „Holistische Markenführung” entwickelten Studierende des Fernstudiums Kommunikationsdesign an der DIPLOMA Hochschule dafür Branding- und Kommunikationskonzepte für das Startup Vinolin – von Website und Social Media bis zu PoS, Messe und Print.
Praxispartner | Vinolin – KI-Sommelier für Weingüter und Händler |
Modul | 15a Holistische Markenführung |
Lehrende | Prof. Dr. Andreas Lanig, Prof. Dipl.-Des. Tilo Staudenrausch, Veronika Herberger |
Aufgabe | Integriertes Kommunikationskonzept zwischen KI, Wein, Genusskultur und Digitalisierung |
Formate | Analyse, Strategie, Corporate Design, Touchpoints und Abschlusspräsentation |
Praxispartner war Vinolin, ein Startup, das sich aktuell als KI-Sommelier für Weingüter und Händler positioniert. Der Markenauftritt verspricht digitale Weinempfehlungen, schnelle Integration in Shops und Websites sowie mehr Orientierung im Verkaufsprozess. Für die Studierenden bedeutete das: keine freie Designspielwiese, sondern ein reales Markenproblem mit echtem Marktbezug.
Im Projektbriefing standen Analyse, Strategie und Umsetzung gleichberechtigt nebeneinander. Gefordert war nicht nur ein schöner Look, sondern ein Kommunikationskonzept, das B2B-Logik, Endkund:innen-Perspektive, Genusskultur und KI-Vertrauen zusammenführt. Genau darin lag die Schwierigkeit – und die Qualität des Projekts.
Die klarere Trennung zwischen B2B und B2C ist ein Punkt, den wir im Blick haben. Aktuell liegt unser Fokus aber ganz bewusst auf dem B2B-Geschäft, weil das für uns der Wachstumshebel ist.
Simon Blank, Gründer von Vinolin
Diese Aussage von Gründer Simon Blank zog sich wie ein roter Faden durch den Abend. Die Aufgabe bestand also darin, Markenbild und Geschäftsmodell zwischen B2C und B2B gemeinsam zu denken.
Vier Konzepte, vier Blickwinkel
Gerade weil das Briefing offen genug für unterschiedliche Strategien war, entstanden vier klar voneinander abgesetzte Perspektiven auf dieselbe Marke. Genau diese Vielfalt machte den Abend für die Beteiligten so ergiebig.
Sara und Sarah setzten bei Rebranding, Point of Sale und Website-Struktur an. Ihr Konzept schärfte Logo, Farbwelt und Typografie, dachte Vinolin aber vor allem von realen Nutzungsmomenten her: im Supermarkt, auf Regalstoppern, auf Taschen und Coastern sowie auf einer Website, die Business- und Privatnutzung klarer trennt. Sarah formulierte das Ziel ihres Konzepts entsprechend direkt: „Wir wollen, dass Vinolin sichtbarer wird."
Vanessa und Thu Tao rückten Schenkanlässe, Social Media und emotionale Entlastung in den Mittelpunkt. Ihr Ansatz übersetzte Unsicherheit beim Weinkauf in eine klare Botschaft: Beratung soll nicht belehren, sondern entlasten. Daraus entstanden Social-Media-Motive, ein Tablet-Aufsteller für den Point of Sale und ein hochwertig gedachtes Booklet für die B2B-Kommunikation. Ihr Leitgedanke lautete: „Unsere Botschaft ist simpel, aber kraftvoll: Expertise zugänglich machen."
Serkan fokussierte Markenpositionierung, Messe und Nutzenkommunikation. Sein Konzept dachte Vinolin als Marke, die Vertrauen nicht behauptet, sondern belegt – mit nachvollziehbaren KPIs, einer hochwertigen CI und einem Messeauftritt, der die Software erlebbar macht.
Natalia entwickelte ein System aus Karten, Boxenlogik und Content-Formaten, das die digitale Weinberatung emotional verlängert. Ihr Ansatz war bewusst analoger gedacht: mit thematischen Erlebnissen, Rezeptbezügen, Social-Media-Ideen und einer stärkeren Haptik. Ihre Absicht brachte sie klar auf den Punkt: „Ich wollte das Ganze greifbarer machen, mehr Emotionen reinmachen."
Das Problem ist nicht das Produkt an sich, sondern der Moment der Entscheidung.
Serkan, Student im Projekt
Feedback aus der Praxis: Was ein KI-Startup braucht
Eindrücklich war der Präsentationsabend dort, wo Design auf Marktrealität traf. Simon Blank reagierte offen auf die Entwürfe und benannte sehr konkret, was für Vinolin operativ relevant ist – und was noch nicht passt.
Beim Website-Ansatz von Sara und Sarah sagte er: „Da habt ihr bei uns wirklich einen Pain Point adressiert, den wir besser machen müssen." Gemeint war die unklare Trennung von B2B- und B2C-Kommunikation. Gerade dieser Punkt machte das Projekt für alle Beteiligten wertvoll: Gute Gestaltung wurde nicht nur gelobt, sondern am realen Geschäftsmodell gespiegelt.
Gleichzeitig stellte Blank klar, dass manche kreativen Ansätze an den Eigenheiten der Branche gemessen werden müssen. „Die Weinbranche ist ja traditionell geprägt", gab er zu bedenken. Genau deshalb wurde in der Diskussion immer wieder sichtbar, wie wichtig die Balance zwischen Innovation, Vertrauensaufbau und kultureller Anschlussfähigkeit ist.
In jeder Gruppe war etwas dabei, was zum Nachdenken anregt.
Simon Blank, abschließendes Feedback
Designdidaktik: Warum solche Projekte für Kommunikationsdesign wichtig sind
Das Projekt zeigt exemplarisch, was Kommunikationsdesign heute leisten muss: Marken werden nicht mehr nur gestaltet, sondern analysiert, verortet, getestet und über Touchpoints hinweg konsistent entwickelt. Genau das macht die Verbindung aus Corporate Design, integrierter Kommunikation und KI-reflektierter Praxis im Studienbereich Design & Medien so relevant.
Prof. Dr. Andreas Lanig brachte die Herausforderung der Ganzheitlichkeit am Ende des Abends auf eine prägnante Formel: „Das ist, glaube ich, ein Zustand, den man nie in Gänze erreicht." Holistische Markenführung erscheint damit nicht als fertiger Endzustand, sondern als anspruchsvoller Prozess aus Recherche, Kritik, Iteration und Entscheidung.
Didaktische Einordnung Veronika Herberger macht im Seminarzusammenhang sinngemäß deutlich: „Corporate Design wird dann wirksam, wenn Typografie, Farbe, Materialität und Anwendung dieselbe Haltung tragen." Prof. Tilo Staudenrausch setzt den strategischen Kontrapunkt sinngemäß so: „Ein Konzept gewinnt nicht durch einzelne schöne Einfälle, sondern dadurch, dass es als Ganzes schlüssig bleibt." |
Gerade für Studieninteressierte ist das eine wichtige Botschaft: Im Fernstudium geht es nicht nur um Form, sondern um Begründung, Haltung und Umsetzungskraft. Studierende lernen, mit offenen Briefings, realen Zielkonflikten und unterschiedlichen Medienformaten professionell umzugehen.
Kommunikationsdesign studieren – mit echten Projekten und aktuellen Fragen
Wer Kommunikationsdesign studieren möchte und ein Format sucht, das strategische Markenarbeit, gestalterische Praxis und reflektierte KI-Kompetenz verbindet, findet im Fernstudium Kommunikationsdesign (B.A.) der DIPLOMA Hochschule genau diesen Ansatz.
Das Fernstudium Kommunikationsdesign bietet 100 Prozent Online-Studium und eine flexible Gestaltung. Es umfasst 180 ECTS-Punkte in sieben Semestern und richtet sich daher an Personen, die sich weiterqualifizieren möchten, ohne ihren Lebensmittelpunkt zu wechseln. Studentin Monja betont diesen Vorteil besonders: Sie wollte sich weiterentwickeln, „ohne dabei meine Heimat verlassen zu müssen“.
Marke im Alltag statt nur auf dem Screen: Sara und Sarah denken Vinolin über QR-Codes, Merch und humorvolle Kontaktpunkte bis in reale Nutzungssituationen weiter.
„Expertise zugänglich machen“: Vanessa und Thu Thao übersetzen Weinberatung in eine emotionale Social-Media-Sprache für unsichere Kaufmomente.