Das geht auf keine Kuhhaut!? Craft Design-Studierende im Deutschen Ledermuseum in Offenbach
Offenbach, 22.04.2026
Beim Eintritt in das Ledermuseum fällt der Blick fast unweigerlich auf, nein, nicht auf eine Kuh, sondern auf ein großes Krokodil, eine vegetabil gegerbte Haut aus den 1930er Jahren. Damit wird auf spektakuläre Weise der Blick auf eine faszinierende Sammlung wie auch auf die damit einhergehenden ethischen Fragen eröffnet. Die Krokodiljagd war bis in die 1960er Jahre hinein eine Sportart reicher Menschen und damit ein lukratives Geschäft. Seit 1975 regelt das Artenschutzabkommen CITES den Schutz für bedrohte Tierarten und Pflanzen. Und so ist das Deutsche Ledermuseum in Offenbach sowohl ein Museum für die Geschichte der engen, aber auch wechselvollen Beziehung des Menschen zum Tier als auch Erkenntnisort für den Umgang mit diesem einizigartigen Material.
Warum Offenbach?
Die Craft Design-Studierenden unternehmen einmal im Semester eine so genannte Materialexkusion, und dieses Mal ging es um das Thema Leder. Offenbach mit seiner langjährigen Ledertradition, 1776 wurde hier die erste Etui- und Souvenirmanufaktur gegründet, und der umfassenden Sammlung mit Werken aus Leder sowie artverwandten Materialien war daher ein spannendes Reiseziel. Über 30.000 Objekte sind hier zu sehen (und zu befühlen!) und lassen die globale Verwendung von Leder über Jahrtausende hinweg und dessen vielfältigen Einsatz in verschiedenen Kulturen lebendig werden. Die Sammlung, gegründet vor über hundert Jahren als Schau-Sammlung für Studierende und Auszubildende im Handwerk, dokumentiert handwerkliche Fähigkeiten und künstlerische Kreativität aus sechs Jahrtausenden. Zu sehen sind Gebrauchs- und Luxusgegenstände – die Tasche aus Schlangenleder, ein Regenmantel aus Robbendarm, der lederne Reisekoffer – vom Kunsthandwerk und Design über Mode bis hin zu Objekten der Alltagskultur (https://www.ledermuseum.de/). „Vom Antilopen- bis zum Ziegenleder werden hier Tierhäute, Lederarten und vergleichbare Materialien vorgestellt und haptisch erfahrbar gemacht, das ist das Besondere für unsere Studierenden“, betont Materialexpertin Karina Michaelis.
Robben-, Lachs- und Froschleder bis Lederworkshop
Nach einer umfassenden und erkenntnisreichen Führung mit einem Einblick in die Highlights der Sammlung, die neben uns bekannten Lederarten auch Robben-, Lachs- und Froschleder enthält, konnten die Studierenden im Rahmen eines Workshops das Material Leder näher kennenlernen. Nach einer kurzen Einführung in die Eigenschaften des Materials bestand die Aufgabe darin, einen kleinen Gegenstand aus Rindsleder zu gestalten. Und das hieß aus, vielen Lederproben ein Material nach Farbe und Beschaffenheit auszuwählen, zu zeichnen, zuzuschneiden, zu bohren und zu nähen. Die Vielseitigkeit, Funktionalität, Formbarkeit und Beständigkeit dieses Materials wurden auf diese Weise direkt erfahrbar. Diskussionen über ethische Fragen rund um den Einsatz von Leder in der heutigen Zeit schärften aber gleichzeitig den Blick für kulturelle Besonderheiten, Traditionen und Werte. „Die Materialexkursionen sind ein erkenntnisreicher und vertiefender Bestandteil des Craft Design-Studiums“, erläutert Prof. Dr. Bärbel Kühne, „die Exkursion im Sommersemester ist bereits in Planung“. Wir sind gespannt.
Gruppenbild in der Ausstellung im offenbacher Ledermuseum.
Alte Bücher in Ledereinschlägen.